Abschnitt 12 – Verwobene Schicksale

Community Entscheidung Abschnitt 11

🔹Suchst du auf eigene Faust nach Davin, in der Hoffnung, dass er Antworten besitzt – oder zumindest Hinweise darauf, was mit euch geschieht?


„Wenn Davin dachte, die Akademie hätte damit zu tun…“, murmelst du, ohne den Blick vom schwarzen Pergament zu lösen, „… dann hat er entweder etwas entdeckt – oder jemanden.“

Eldwyn sagt nichts.

Das Schweigen zwischen euch fühlt sich nun anders an. Dichter. Schwerer. Entweder wusste sie mehr, als sie zugeben wollte, oder es war das Gewicht des Geheimnisses, das Davin versucht hatte, mit seinem Verschwinden hinter sich zu lassen.

Der Raum wurde so still, dass man das Flackern der Kerzen hören konnte. Eldwyns schmale Finger strichen über das in Schwarz getaufte Pergament. „Ich würde diese Zeichnungen gerne einer Freundin von mir zeigen – vielleicht kann sie etwas darin sehen, was wir übersehen.“

Du nickst. Doch deine Gedanken sind woanders. Die Schmerzen, die du erlebt hattest, sitzen dir immer noch in den Gliedern. Würdest du einen erneuten Anfall überhaupt überleben? Und der einzige direkte Hinweis hatte sich vor einigen Monaten aus dem Staub gemacht. Vielleicht waren eure Schicksale auf eine gewisse Weise verwoben?

„In meinem Fall ist es jedoch so, dass der Kristall die Visionen in mir ausgelöst hat – inwiefern passt die Akademie in diese ganze Sache hinein – außer dass all das hier stattfindet?“

Eldwyn nickt und schmunzelt ein wenig. „Wie schon erwähnt, könnte das Leyliniennetzwerk genutzt werden, um magische Frequenzen, Botschaften zu senden – die Kristalle dienen als Leiter dieser Frequenzen. Aber dann ist die Frage, woher diese Schmerzen kommen. In Thal’draen könnte das überall sein – denn überall sind diese Kristalle – es würde eine Ewigkeit dauern, das zurückzuverfolgen.“

Plötzlich regt sich ein Gedanke in dir. „Wenn es so ist, wie du sagst – was, wenn ich und Davin irgendwie miteinander verbunden sind oder es mehrere gibt, die diese Visionen mit sich tragen?“

Eldwyn sagt nichts – denn sie ist in Gedanken versunken, genauso wie du. „Hast du noch etwas von Davin?“

Sie nickt und fasst in die Tasche ihrer luftig-leichten Hose, um ein Armband herauszuholen. „Was hast du vor?“, fragt sie und legt es auf das schwarze Pergament.

Es ist schlicht. Dunkles Leder, abgegriffen vom Tragen. Ein schmaler Metallring ist eingearbeitet, kaum verziert. Kein Edelstein. Kein offensichtlicher Fokus.

„Es gehörte Davin“, sagt sie leise.

Du weißt nicht, was du erwartet hattest. Etwas Dramatischeres vielleicht. Doch genau diese Schlichtheit trifft dich unerwartet.

„Was hast du vor?“ fragt Eldwyn, während sie es vor dir auf das schwarze Pergament legt.

Du antwortest nicht. Stattdessen streckst du die Hand aus.

Sobald deine Finger das Leder berühren, kippt die Welt. Kein Schmerz diesmal. Kein Zerreißen. Nur ein abruptes Ziehen — als würde jemand einen Vorhang in deinem Inneren beiseiteschieben.

Du siehst Stein.
Feucht. Dunkel.
Nicht die Akademie.

Gedämpfte Stimmen. Gelächter, das nicht freundlich klingt.
Fäuste, die aufeinanderprallen.
Ein Kreis aus Kreide auf dem Boden.
Schweiß. Blut. Atem in kalter Luft.

Die Vision zerbricht.

Du keuchst auf, doch du bist noch immer im Raum. Noch immer vor Eldwyn. Deine Hand liegt auf dem Armband, dein Puls hämmert.

„Ith’Kev“, sagst du.

Eldwyns Blick schärft sich.

„Nicht die oberen Ebenen“, fügst du hinzu. „Weiter unten.“

Sie tritt näher. „Was hast du gesehen?“

„Stein. Enge Räume. Menschen, die nicht hier oben leben.“ Du schluckst. „Er kämpft.“ Das Wort bleibt zwischen euch hängen.

Eldwyn sagt lange nichts. Ihr Blick wandert zum schwarzen Pergament, dann wieder zu dir. „Die untersten Ebenen sind kein Ort für Akademieschüler“, sagt sie schließlich ruhig. „Schon gar nicht für jemanden im ersten Jahr.“

Eldwyn mustert dich lange, als würde sie abwägen, wie viel sie dir zumuten darf.

Dann geht sie ohne ein weiteres Wort zu einem schmalen Schrank, verborgen hinter einem der staubigen Regale. Sie öffnet ihn mit einer leisen Geste und zieht eine Mappe hervor — Pergament mit dem Siegel der Akademie.

Sie setzt sich an den Tisch und beginnt zu schreiben.

Die Feder kratzt über das Papier.

Offizielle Formulierungen.
Forschungszuweisung.
Leylinienbeobachtung.
Resonanzanalyse in unteren Stadtbereichen.

Du verstehst sofort.

„Du kannst nicht einfach durch Ith’Kev spazieren“, sagt sie, ohne aufzusehen. „Nicht als Neuling. Die Ebenen sind reguliert. Bestimmte Bezirke erfordern Zugangsberechtigungen. Vor allem die unteren.“

Sie setzt ihr Siegel darunter. Das Wachs schmilzt unter ihrer Magie und härtet mit dem Emblem der Akademie aus.

„Offiziell“, fährt sie fort, „untersuchst du mögliche Resonanzstörungen in den unteren Ebenen. Das ist plausibel. Und es gibt dir Bewegungsfreiheit. Du wirst aber begleitet von Joel - falls ihr etwas findet, wird er definitiv weiterhelfen können.“

Sie reicht dir das Pergament. „Darunter…“, sagt sie leise, „gibt es keine offiziellen Wege mehr.“

Du nimmst das Dokument entgegen. Es fühlt sich schwer an. Schwerer als jedes Buch, das du bisher getragen hast.

„Warum hilfst du mir?“ fragst du.

Eldwyn sieht dich ruhig an. „Weil ich nicht glaube, dass Davin einfach fortgegangen ist. Und weil ich nicht glaube, dass das hier Zufall ist.“

Ein kurzer Blick zum schwarzen Pergament.

„Aber wenn du dort unten Dinge findest, die über das hinausgehen, was wir vermuten…“, sie hält inne, „… dann musst du selbst entscheiden, wem du noch vertraust.“

Du befestigst das Armband an deinem Handgelenk. Diesmal kommt keine Vision. Nur ein leises, kaum spürbares Pulsieren.

Wie ein Echo. Du atmest tief ein.

Nicht nur Schatten. Nicht nur Slums. Sondern Orte, an denen Menschen verschwinden können — ohne offiziell je gefehlt zu haben.

„Wann?“, fragt Eldwyn.

Du blickst zur verborgenen Tür. Zur Dunkelheit dahinter. Zu dem Gefühl, dass der Abstieg längst begonnen hat.

„Heute Nacht.“

Die Kerzen flackern, als würde der Raum deine Entscheidung anerkennen.


Entscheidungsmoment:

Wie beginnst du in Ith’Kev?

  • Du gehst offiziell über die registrierten Ebenen und versuchst, Gerüchte über illegale Kampfkreise zu sammeln.

  • Du suchst direkt nach den inoffiziellen Arenen – dort, wo Namen unwichtig sind und Fäuste entscheiden.

  • Oder du folgst zunächst dem Gefühl des Armbands und lässt dich von seiner Resonanz führen.

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Abschnitt 11 - Verbundene Schicksale & verschwomenne Fakten